Wer es in den eigenen vier Wänden gemütlich warm
haben will, muss ordentlich ins Portemonnaie greifen. Die
Heizkostenbelastung der deutschen Haushalte hat sich in
den vergangenen zehn Jahren im Durchschnitt fast
verdoppelt. „Wer nicht saniert, verheizt sein Geld“,
sagt daher Felicitas Krause, Energieexpertin bei der
Deutschen Energie-Agentur (dena). Besserung ist nicht in
Sicht, denn langfristig werden die Preise weiter anziehen.
Doch man ist diesem Schicksal nicht hilflos ausgeliefert.
Wer einem alten, unsanierten Eigenheim moderne
Heizungstechnik, dichte Fenster und eine gute Dämmung
spendiert, kann seinen Energieverbrauch nach Angabe der
dena-Expertin um im Schnitt 80 Prozent senken.
„Würden Sie einen Oldtimer fahren, der rund 40 Liter
Sprit auf 100 Kilometer schluckt?“, fragt Dr. Stephan
Schmidt, Bereichsleiter Kommunikation bei Evonik Wohnen.
Evonik ist aus dem Ruhrkonzern RAG hervorgegangen und
bündelt drei Sparten, die nicht zum traditionellen
Bergbau zählen. Dazu gehören die Chemie der bisherigen
RAG-Tochter Degussa, die Energie der Strom-Tochter Steag
und der Immobilienbereich. Für den Essener Konzern ist
der Megatrend Energieeffizienz einer der großen
Wachstumstreiber der Zukunft.
„Mit dem ‚Drei-Liter-Haus’ am Standort Düsseldorf
hat das Unternehmen eines der sparsamsten Häuser
Deutschlands realisiert – ein Pilotprojekt mit
Vorbildcharakter“, erläutert Schmidt. Bei der
Häuserzeile in Düsseldorf-Eller handelt es sich um eine
Wohnanlage mit 24 Einheiten, die in den Jahren 1964 bis
1969 gebaut wurde. Die Wohngebäude sind Teil des
Modellprojekts „Niedrigenergiehaus im Bestand“, das
die dena in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für
Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung initiiert hat. Nach
Abschluss der Modernisierungsarbeiten im vergangenen Jahr
verfügt das Quartier über ein eigenes
Miniblockheizkraftwerk, eine 144 Quadratmeter große
Fotovoltaikanlage sowie dezentrale Lüftungsanlagen mit
Wärmerückgewinnung, einer Dreifachverglasung und einer
Wärmedämmung der Außenwände.
„Die Wohngebäude sind nach ihrer Modernisierung
Niedrigenergiehäuser im besten Sinne des Wortes. So
verringert sich der Primärenergiebedarf von 286 kWh pro
Quadratmeter und Jahr auf nur 36,2 kWh. Dies entspricht
einer Einsparung von 87 Prozent“, rechnet
Evonik-Sprecher Schmidt vor. Damit liegen die
modernisierten Mehrfamilienhäuser deutlich unter den
Vorgaben der Energiesparverordnung (EnEV) für Neubauten.
Außerdem sie die energetische Modernisierung auch ein
wichtiger Beitrag zum Klimaschutz. Das
„Drei-Liter-Haus“ in Düsseldorf reduziert den
CO2-Ausstoß um 160 Tonnen im Jahr.
Ölschlucker erzielen am Markt keinen guten Preis
Viele Bürger scheuen jedoch die nötigen Investitionen
für eine Sanierung. Bei der dena ist man hingegen davon
überzeugt, dass sich die finanziellen „Opfer“ auf
lange Sicht lohnen. Selbst wenn man von einer moderaten
Steigerung der Energiepreise von nur fünf Prozent pro
Jahr ausgeht, bewahrheite sich der Spruch, dass derjenige,
der nichts unternimmt, sein Geld verheizt, so die
Energieexpertin Kraus: „Auch aus wirtschaftlicher Sicht
ist eine energiesparende Sanierung daher sehr sinnvoll.
Zudem sichert sie den bleibenden Wert einer Immobilie. Ein
Haus, das 4.500 Liter Öl im Jahr verbraucht, wird schon
bald keinen guten Preis mehr am Markt erzielen.“
Doch noch besteht eine Informationslücke. „Dass die
energetische Ertüchtigung unseres Altbaubestandes auch
über die Förderung vieler Stadtwerke vorangetrieben
wird, finde ich gut“, sagt NRW-Wirtschaftsministerin
Christa Thoben (CDU). Dass etliche Bürgerinnen und
Bürger nichts davon wissen, findet die Ministerin weniger
gut. So fördern die Stadtwerke Bielefeld den Klimaschutz
durch Altbausanierung beispielsweise mit Zuschüssen von
bis zu 4.500 Euro. In Aachen gibt es bei der energetischen
Sanierung von Mehrfamilienhäusern sogar Zuschüsse in
Höhe von bis zu 10.000 Euro.
Die Energieversorger aus NRW bieten die
unterschiedlichsten Angebot: Ob Wärmepumpe,
energiesparende Haushaltsgeräte, Brennwerttechnik,
kontrollierte Wohnungslüftung, Biogasanalage oder
Solarkollektoren. Die Stadtwerke Duisburg unterstützen
den Anschluss der eigenen Heizung an das dortige
Fernwärmenetz mit 3.500 Euro.
Das bundesweite Modellprojekt „Niedrigenergiehaus im
Bestand“ hat einige erfolgreiche Sanierungen
ermöglicht, die beispielhaft sind. So in Bedburg bei
Köln. Jasmin Atarodi und ihr Mann haben lange nach einem
geeigneten Haus gesucht, bis sie schließlich in Bedburg
an der Erft fündig geworden sin. Ihr „Traumhaus“ ist
ein zweigeschossiges Einfamilienhaus aus dem Jahr 1958.
Vor der Sanierung befand es sich noch fast in seinem
Ursprungszustand. Alle Maßnahmen, die bis dahin ergriffen
worden waren, dienten ausschließlich der kurzfristigen
Mängelbeseitigung. Im Jahr 1996 wurde lediglich die
frühere Heizung (vermutlich Kohle) durch eine Ölheizung
ersetzt.
Im Rahmen der Sanierungsarbeiten wurde die
Gebäudeaußenhülle mit einem 20 cm starken
Wärmedämmverbundsystem gedämmt. Die Ölheizung von 1966
wurde durch eine Pellet-Heizung ersetzt. Als Verstärkung
befindet sich unter dem Dach eine thermische Solaranlage
zur Unterstützung der Warmwasserbereitung und der
Heizung. Spülmaschine und Waschmaschine werden direkt mit
warmem Wasser versorgt. Außerdem wurde eine
feuchtegesteuerte Abluftanlage eingebaut. Die
Modernisierung des Gebäudes wurde modellhaft von der
Kreditanstalt für Wiederaufbau gefördert.
Auch in Ostwestfalen spart man Energie. Die Bielefelder
Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft BGW – größter
Immobiliendienstleister der Region Ostwestfalen-Lippe –
hat in den Jahren 2004/2005 ein Gebäude mit den neuesten
Passivhaustechnologien ausgestattet. Das Acht-Familienhaus
aus dem Jahr 1956 wurde im Rahmen der ersten Projektphase
des dena-Programms „Niedrigenergiehaus im Bestand“ zu
einem „Drei-Liter-Haus“ modernisiert, das einen
Energiebedarf von drei Litern Öl pro Quadratmeter und
Jahr aufweist. In Bielefeld wollte man unter besonders
ungünstigen Bedingungen zeigen, dass eine drastische
Reduzierung des Energieverbrauchs möglich ist.
Und wie gelangt man an die Fleischtöpfe, um aus der alten
Hütte ein Energiesparhaus zu machen? Bei vielen
Eigenheimen lohne sich eine Sanierung, um die Heizkosten
zu senken, da der Staat die Besitzer mit Zuschüssen und
günstigen Darlehne unterstütze, schreibt die
Süddeutsche Zeitung (SZ). So offeriert die staatliche
Förderbank KfW eine Vielzahl von Programmen. Das
wichtigste ist das CO2-Gebäudesanierungsprogramm. „Für
die Altbausanierung kann ein Eigentümer pro Wohneinheit
einen Kredit von bis zu 50.000 Euro erhalten und
zusätzlich einen Tilgungszuschuss von bis zu 12,5
Prozent“, so die SZ. Alternativ erhalten Hausbesitzer
auch direkte Zuschüsse. Diese sind insbesondere für
Eigentümer von selbstgenutzten oder vermieteten Ein- und
Zweifamilienhäusern und Eigentumswohnungen gedacht.
Neben dem CO2-Projekt offeriert die KfW das Programm
„Wohnraum Modernisieren“, das sich auch zur Sanierung
von Häusern eignet, die erst nach 1994 gebaut wurden. Des
weiteren gibt es ein Programm, das beim ökologischen
Bauen von neuen Häusern hilft. Wer hier nach näheren
Informationen sucht, kann sich an die Energieberatung der
Verbraucherzentralen
(http://www.verbraucherzentrale-energieberatung.de) wenden
oder online unter http://www.kfw.de stöbern. Über die
Förderprogramme der Länder und Kommunen geben die Seiten
http://www.zukunft-haus.de und http://www.baufoerderer.de
Auskunft.
Wer Energie spart, gewinnt Werte
Altbausanierungen sind eine Investition in die Zukunft,
davon ist Dr. Peter Schörner, Geschäftsführer der
Evonik Wohnen GmbH überzeugt. Sein Unternehmen investiere
in Projekte wie das „Drei-Liter-Haus“, weil
energetisch orientierte Modernisierungen für Evonik
strategische Investitionen seien. „Und mit der
energetischen Modernisierung erschließen wir für unsere
Mieter so ein enormes Sparpotenzial“, so Schörner. Wer
seine alte Hütte energetisch annähernd auf Neubauniveau
bringe, tue auch etwas für die eigene Gesundheit und die
der Mieter: Durch den hervorragenden Wärmeschutz
erreichen Niedrigenergiehäuser ein angenehmes
Wärmestrahlungsklima, das sich neuesten Erkenntnissen
zufolge etwa positiv auf rheumatische und allergische
Erkrankungen auswirken soll. Auf jeden Fall sorgt es für
Behaglichkeit und Wohlbefinden.“
Aus Schluckspecht wird Sparfuchs
Und auch in barer Münze zahle sich eine solche
Modernisierung aus, denn technisch, optisch und
energetisch zeitgemäße Wohnkonzepte tragen laut
Schörner zu einer hohen Mietstabilität bei und machen
das Produkt Mietwohnung erst attraktiv. Energetische
Sanierung sei in Zeiten knapper Ressourcen ein absolutes
Muss. Die Kunden belohnten dies: „Wir haben heute schon
außerordentlich treue Mieter. Das zeigt sich in einer im
Branchenumfeld ausgezeichneten Leerstandsquote. Nicht nur,
weil wir mit einem angemessenen Preis-Leistungsverhältnis
am Markt überzeugen, sondern weil wir ja auch ideelle
Werte umsetzen und ein Stück weit mehr Lebensqualität
bieten.“ Evonik wirbt mit dem Slogan „Aus
Schluckspecht wird Sparfuchs“, was bei einer Einsparung
von fast 90 Prozent Energie beim „Drei-Liter-Haus“
wohl gerechtfertigt erscheint.
Bei den meisten Sanierungen geht es darum, ein sowohl
energetisch vorbildliches und optisch ansprechendes als
auch ökonomisch tragfähiges Konzept zu erarbeiten. Damit
will man unter anderem die Mieterfluktuation auf Dauer
gering halten. Im Rahmen der energetischen Sanierung der
Prae-Bau-Siedlung in Dortmund Mengede wurden
beispielsweise rund 13,2 Millionen Euro investiert. Damit
wurde unter anderem eine zeitgemäße Dämmung der
Gebäude sowie ein Blockheizkraftwerk finanziert.
Mitfinanziert wurden die Sanierungsmaßnahmen durch
Kredite aus dem CO2-Gebäudesanierungsprogramm und dem
CO2-Minderungsprogramm der KfW. Die EnergieAgentur.NRW war
beratend tätig.
Energieeffizienz: „Wer nicht saniert, verheizt sein Geld“
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Wie man aus einer alten Hütte ein smartes „Drei-Liter-Haus“ machen kann
10.07.2008Tags: Alle Meldungen von
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